Wenn die Wut wieder eine Sprache findet

Ich war als Kind oft wütend. Sehr wütend. Mit großer Kraft, Wucht und Ausdauer brachte ich damals meine Empörung zum Ausdruck. Die Erinnerung daran ist noch ebenso lebendig in mir, wie das, was ich im Lauf meiner Kindheit aus den Erfahrungen mit meinem Umfeld geschlossen habe:

Wut trennt. Wütend sein bringt die Menschen, die ich liebe, von mir weg.

Mit Anfang 20 fand ich mich dann in der Beziehung zum späteren Vater meines Sohnes in einer Sprachlosigkeit wieder, die mich selbst überraschte. Ich hatte keine Worte für das, was bei mir „los ist“. Da war nur innere Ratlosigkeit und das Gefühl betäubt oder leer zu sein. Ich konnte nicht sagen, was ich will. Ich hatte keine Erfahrung davon dass, das, was ich in meinem Innersten will, diese Kraft, diese Unbändigkeit, in Kontakt sein kann mit einem anderen Menschen, ohne dass ich dadurch unweigerlich Trennung kreiere.

Ich halte ein Foto von einem sechsjährigen Mädchen in der Hand, das mal ich war. Sie sieht spitzbübisch aus - und da ist eine Anstrengung um den Mund herum zu sehen. Jedes Mal wenn ich dieses Bild bei meinen Eltern oder meiner Großmutter an der Wand hängen sah, fühlte ich ein diffuses Unwohlsein tief in meinem Bauch. Jetzt, 40 Jahre später, kann ich die, unter der Taubheit begrabene Angst, Wut und Traurigkeit fühlen, und so Kontakt finden zu der Wurzel dieses Unwohlseins. Die Beklemmung kam von der Erinnerung an den Verrat an mir selbst.

Das Bild war wenige Tage, nachdem ich eine große Entscheidung gefällt hatte entstanden. Ich hatte mich entschieden, „ein gutes Mädchen“ zu sein. Ich würde eine Maske tragen, meinen Mund anders machen, als er eigentlich war. Keiner sollte sehen dürfen, was ich wirklich fühlte. Es war einfach zu schmerzhaft und zu gefährlich, mich mit meinen Wünschen, mit meiner Liebe, mit meinen Grenzen oder mit meiner Empörung zu zeigen, indem ich sie ungefiltert zum Ausdruck brachte...

Ich habe jetzt meine Sprache wieder gefunden. Konnte Worte finden, für das, was ich will und das, was ich nicht will, aber die Wutkraft hinter meinem Ausdruck war noch lange vermischt mit der Traurigkeit und der Angst von damals und hat sich nicht selten in einer, für die Intimität in meinen Beziehungen toxischen emotionalen Mischung entladen. Es hat Jahre gedauert, bis ich die Wut als Klarheit nutzen konnte, als Kraft, die mich in meinen Konturen sichtbar macht und es anderen erlaubt, mit mir, so wie ich bin, in Kontakt zu sein.

Dann dachte ich, ich hätte Wutkraft in Beziehungen soweit gemeistert, bis ich Mutter wurde...

Mein Sohn fragt mich zum dritten mal heute, ob er Kung Fu Panda sehen darf. Ich bin genervt. Ich hatte doch schon Nein gesagt! Was er von mir bekommt ist ein angestrengter Tonfall, kein Blickkontakt, ein scharfes Nein oder Gründe, warum Film schauen ungesund sei.

Offensichtlich war mein erstes „Nein“ nicht bei ihm gelandet.

Gehen Sie über Los, ziehen sie nicht 200 € ein... Da bin ich also wieder. Die Grundannahme, dass Wut etwas zu vermeidendes, gefährliches oder schlechtes sei wiederholt sich im Kontakt mit meinem Kind. Hier besonders, denn er ist jünger, schutzlos, kleiner als ich, so empfindsam. Ich kann doch unmöglich ihm gegenüber wütend sein...So die Logik. Da meine Wut aber dafür da ist, um Grenzen zu setzen passiert auch hier das Unvermeidbare wenn ich sie unterdrücke, anstatt sie frühzeitig klar zum Ausdruck zu bringen: die Wut schießt unbewusst „seitwärts“ aus mir heraus, und vergiftet so den Kontakt auf subtile Weise. Der Topfdeckel landet viel lauter als nötig auf seinem Topf, mein Tonfall wird ärgerlich und ich halte die Luft an, bevor ich gepresst, mit Geräusch, ausatme. Da ist sie wieder, die Form von Wutausdruck, die neben einem klaren „Stop“ oder „Nein“ auch noch eine subtile Beschuldigung oder Anklage enthält. Als ob jemand anderes zuständig oder schuld daran sei, wenn etwas nicht so läuft, wie ich es mir wünsche. Diese „Genervtheit“ als Form meines Wutausdrucks, die auf meine Ohnmachtserfahrung als Kind zurückgeht, wird so, auf tragische Weise, wieder an den falschen Empfänger adressiert.

Zum Glück kann ich entscheiden, das jetzt anzuhalten. Mit dem Team, das ich im Kontext von Possibility Management gefunden und mit kreiert habe, kann ich mir Experimentierfelder erschaffen, in denen ich meine Wut in geringer, mittlerer und hoher Intensität fühlen und zum Ausdruck bringen kann und dabei Feedback bekomme und Ideen, wie ich noch mehr zu meiner Klarheit, Authentizität und Direktheit finde. Ein Team das mir den Raum hält, damit ich den Schmerz fühlen kann über den hohen Preis den ich zahle, wenn ich andere für meine unklaren Grenzen verantwortlich mache und so die Menschen, die mir am meisten bedeuten auf Abstand halte.

Jetzt passiert hin und wieder das Wunder: Ich bringe mein Nein klar zum Ausdruck, sobald mein Körper mir meldet, dass es da ist. Ich halte den Blickkontakt und bleibe im Kontakt, ohne von meiner Entscheidung abzuweichen. Die Intimität, die dabei entsteht ist manchmal fast nicht auszuhalten. Wir sehen uns an, ich bin klar und bleibe klar, es landet in ihm, ich sehe, was in ihm ausgelöst ist und er sieht, dass ich ihn sehe...

Meine Wut in jedem Moment als lebendigen Strom von Energie und Information zur fühlen und für meine Handlungen zu nutzen ist ein aufregendes, laufendes Experiment und manchmal entsteht dabei etwas völlig Neues:

Ich sitze mit meinem 9 jährigen Sohn und meiner 10 jährigen Nichte im Auto auf dem Parkplatz eines Spielwarenladens. Unsere Mission ist, zwei große Luftballons zu kaufen. Damit wollen sie Teelichtern zur Flugfähigkeit verhelfen. Mir graut vor den Verführungskünsten der Spielzeugindustrie und höchst wahrscheinlichen Diskussionen über Taschengeldinvestitionen, die mir bevor stehen. Dazu spüre ich in mir ein lautes, sehr deutliches NEIN. Den beiden scheint es ähnlich zu gehen, jedenfalls schlägt meine Nichte vor, ich soll sie im Auto lassen, weil sie sonst nur „betteln“. Beide haben allerdings sehr genaue Vorstellungen, die die Ballons aussehen sollen, also beschließen wir, gemeinsam zu gehen.

Während wir den Parkplatz überqueren, weihe ich die beiden in die „geheimen Künste“ bewusster Gefühlsarbeit ein. Sie brauchen nur wenige Sekunden, um zu begreifen, was ich meine, wenn ich vorschlage, dass wir unsere “Schwerter der Klarheit“ zücken, uns zentrieren und unsere Verbindung zur Erde mit unserem energetischen Fingerschnippen „klicken“. Kurz vor der Ladentüre umhüllen wir uns mit unseren „Blasen“, die uns von den Versuchungen in der Gestalt von Glitzereinhörnern oder ferngesteuerten Drohnen mit fünf Kameras abschirmen, die wir jetzt nicht brauchen. So gerüstet betreten wir den Laden. Dreieinhalb Minuten später sind wir wieder draußen und haben für wenig Geld genau die Ballons gekauft, die wir brauchen, ohne im Strudel der Versuchungen hängen zu bleiben. Außerdem hatten wir jede Menge Spaß, fühlen uns verbunden und unser Energielevel ist deutlich gestiegen!

Wie drückst Du Deine Wut aus?

Erreichst Du damit die Menschen, die Dir wichtig sind?

Gibt es etwas in Dir, was sichtbar werden möchte?

Erlebst Du im Kontakt mit den Menschen, die Du am meisten liebst manchmal emotionale Ladung und wünschst Dir ein Team, das Dich mit Feedback und Coaching unterstützt, präsent und zentriert zu bleiben?

Hast Du Lust, die Kraft Deiner Wut bewußt zu nutzen,

um nervtötende Situationen in außergewöhnliche zu verwandeln?

Oder Deine Beziehungen zu heilen?

Dann komm ins Team!

RAGE CLUB

Klarheit – Kontakt – CoKreation

Termine für Online und Life Einführungen in Wutarbeit und Rage Clubs unter

www.praxis-fuer-den-wandel.de